Wiedereröffnung des House of Sclaves

Es gibt 24 Antworten in diesem Thema, welches 18.426 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Cissé Mariam Keïta.


  • *zapp* ... schalten wir nun live nach Medea, wo die letzten Vorbereitungen zur Wiedereröffnung des Sklavereimuseums von Ndowe Kazú getroffen werden. Brian, wie ist die Stimmung bei euch?


    'Janet, wir warten jetzt schon seit Stunden gespannt auf den Auftritt ihrer Majestät, die nachher die Ehre haben wird, das rote Band vor dem Museumseingang zu durchschneiden. Die Stimmung hier ist gelöst, die Anwesenden werden von der Verwaltung von Ndowe Kazú mit Snacks und Getränken verpflegt. Den ganzen Tag über sind Fähren zwischen Freetown und der Insel gependelt, so dass jetzt bestimmt schon über 5.000 Schaulustige auf dem Museumsgelände versammelt sind. Vielerorts werden traditionelle Chorgesänge angestimmt, wie sie vermutlich in früheren Jahrhunderten auch von den auf dieser Insel eingeschifften Sklaven gesungen worden sind.



    Feierlich wiedereröffnet: Das Ndowe Kazú House of Sclaves 


    Das House of Sclaves auf der Insel Ndowe Kazú war über Jahrhunderte hinweg der wichtigste Handelsposten für medeische Sklaven, die in die albernischen Besitzungen in der Neuen Welt verschifft worden sind. Tatsächlich sind heute auch zahlreiche Astorianer mit medeischen Wurzeln zur Eröffnung gekommen, um nachzuvollziehen, unter welchen Voraussetzungen ihre Vorfahren einst die Reise über den Ozean antraten. Auch aus anderen Ländern sind Besucher gekommen, die eine persönliche Beziehung zur Sklaverei und dieser Insel vorweisen können.


    Wir Journalisten hatten das Glück, an diesem Nachmittag schon einen kleinen Rundgang durch die Museumsgebäude machen zu können. Es ist wirklich erstaunlich, wie gründlich die Schäden, die die gesamte Anlage im Medeischen Bürgerkrieg vor wenigen Jahren erlitten hat, inzwischen wieder ausgebessert wurden. Von den zahlreichen Einschusslöchern, die noch vor einem Jahr die Fassade geprägt haben, ist nichts mehr zu sehen. An dieser Stelle sei auch kurz auf den Sponsor verwiesen, der den kostspieligen Wiederaufbau und damit die heutige Wiedereröffnung des Museums ermöglicht hat.


    *Die Kamera schwenkt kurz auf ein großes Banner der Redford Motor Company - gerade so lange, wie es sich für einen gebührenfinanzierten Sender gehört.* ;)


    Wir warten nun gespannt darauf, was die Königin zu diesem feierlichen Anlass zu sagen hat. Und damit zurück zu dir, Janet.'

  • *Sibou wartet im Schatten einer Palme geduldig auf den Auftritt der Königin. In Gedanken ist er bei den Opfern der Maafa, die wohl nie in der Lage waren, die wunderbar milde und warme Seeluft dieser Insel zu genießen...*

  • Prime Minister Mayweather steht - umgeben von Personenschützern - inmitten der VIP-Gäste und wartet ebenfalls auf das Eintreffen Ihrer Majestät der Königin.

    His Grace
    The Duke Jonathan of Baliho
    Baron Mayweather, KD


    Knight Companion of The Most Exalted and Most Ancient Order of the Dragon of Albernia
    Former Lord High Chancellor

    Former Prime Minister


    coa_mayweathersig.png


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  • Unter großem Jubel und Applaus erscheint Her Royal Majesty Queen Jane auf der Bühne und winkt huldvoll in die Menge. Nachdem sich ihr Flug um über eine Stunde verzögert hatte, musste ihr im Vorfeld durchgeführter privater Rundgang durch das Museum etwas gekürzt werden. Ihre Majestät wird von den anwesenden Würdenträgern, darunter Prime Minister Jonathan Mayweather, und Mitarbeitern des Museums begrüßt, bevor sie sich auf die Bühne vor den Eingang begibt und ihre mit Spannung erwartete Rede beginnt....



    Mr Prime Minister, Mr Bouabdalaoui, Ladies and Gentlemen,


    ich bin sehr erfreut, heute in Ndowe Kazú zu weilen, um der feierlichen Wiedereröffnung des Ndowe Kazú House of Sclaves, des Museums für die Geschichte der Sklaverei, beiwohnen zu dürfen.


    Dieser geschichtsträchtige Ort veranlasst uns alle zum Nachdenken, und dass er nach Jahrhunderten von einer Stätte des Leidens zu einem Platz der Erinnerung und des Lernens werden konnte, sehen wir heute als Ergebnis eines langen historischen Prozesses. Der Wandel von Gesellschaften spiegelt sich auch in ihrer Erinnerungskultur. War die Sklaverei zuvor stets totgeschwiegen oder gar als notwendiger Bestandteil albernischer Großmachtpolitik gerechtfertigt worden, vollzog sich in den 1960er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Veränderung im historischen Denken, die zu einer notwendigen kritischen Erforschung dieses dunklen Teiles unserer Geschichte führte. Die Gründung des Museums im Jahre 1968 spiegelte diesen Wandel wider und wurde nicht nur als wissenschaftliche Leistung, sondern auch als politischer Schritt auf dem Wege einer Versöhnung zwischen Schwarzen und Weißen gesehen. Ich bin überzeugt, dass das Museum nach der hervorragend gelungenen Renovierung und thematischen Neugestaltung, von der ich mich soeben selbst überzeugen konnte, seine Erfolgsgeschichte fortsetzen wird.


    Die hohen Zahlen an schwarzen wie weißen Besuchern zeigen, dass das House of Sclaves einem tief verwurzelten Bedürfnis entgegenkommt, sich mit den Geschehnissen der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Gerade vielen Nachfahren ehemaliger Sklaven dient die Beschäftigung mit der Sklaverei, von der sich ihre Ahnen nach langen politischen Kämpfen letztlich befreien konnten, als wichtiger und nötiger Bestandteil der eigenen Identitätsfindung, insbesondere in Zeiten, in denen sich große Teile der medeischen Bevölkerung wieder ihrer ursprünglichen kulturellen Wurzeln besinnen. Im Rahmen dieser Bewegung, die uneingeschränkt zu begrüßen ist, ist teilweise die Forderung erhoben worden, die medeischen Völker sollten diesen Aspekt ihrer Vergangenheit eher verdrängen, um so zu neuem Selbstvertrauen zu gelangen. Ich bin jedoch der Meinung, dass zu einem starken Selbstbewusstsein nur kommen kann, wer sich nicht allein mit den ruhmreichen Kapiteln seiner Geschichte, sondern auch mit deren Schattenseiten auseinandersetzt. Dies gilt selbst und gerade für das Albernische Empire, von dem auch im Namen Unserer königlichen Vorfahren in der Vergangenheit großes Unrecht und Leid ausgingen, was wir alle aus tiefstem Herzen bedauern. Um so deutlicher fühlen wir daher die Verantwortung dafür, zur Wiedergutmachung und Aufarbeitung der geschehenen Verbrechen beizutragen.


    Die in diesem Hause zum Ausdruck kommende gemeinsame Überzeugung, dass solches Unrecht, in welchen Zusammenhängen auch immer, nicht wieder geschehen darf; und die Überzeugung, dass dazu hauptsächlich die Erforschung und Erinnerung an die Vergangenheit beitragen kann, wird hoffentlich zu einem Ansatzpunkt werden, die letzten noch verbliebenen Trennlinien zwischen Weiß und Schwarz endgültig zu durchbrechen. In diesem Sinne soll und wird das Museum auch weiterhin als wichtiger Impulsgeber für die so notwendigen gesellschaftlichen Debatten zur Aufarbeitung unserer Geschichte fungieren.


    Ich will nun allen danken, deren bewundernswerte Leistung die Wiedereröffnung dieser Stätte möglich gemacht hat, und erkläre das Ndowe Kazú House of Sclaves hiermit für eröffnet.


    Unter dem Applaus der Anwesenden durchschneidet die Queen das rote Band vor dem Haupteingang des Museums mit einer goldenen Schere und lächelt in die Kameras.

  • :clap :clap :clap


    Eine wahrhaft angemessene Rede. Hervorragend, dass die Sklaverei endlich als das bezeichnet wird, was sie war und ist - als ein Verbrechen.


    *Sibou begibt sich auf einen Rundgang durch die Ausstellung.*

    Sirajeddine Bouabdalaoui
    Once upon a midnight dreary...

    Einmal editiert, zuletzt von Sibou ()

  • *simoff* kann mir mal einer erklären warum hier statt dem englischen wort "slaves" ein wort namens "sclaves" verwendet wird? Oder ist das eine altertümliche englische wendung? *simon*

  • :clap :clap


    Eine wahrhaft angemessene und bewegende Rede.

    His Grace
    The Duke Jonathan of Baliho
    Baron Mayweather, KD


    Knight Companion of The Most Exalted and Most Ancient Order of the Dragon of Albernia
    Former Lord High Chancellor

    Former Prime Minister


    coa_mayweathersig.png


    labour_sig.png

  • Zitat

    Zitat James Connolly
    *simoff* kann mir mal einer erklären warum hier statt dem englischen wort "slaves" ein wort namens "sclaves" verwendet wird? Oder ist das eine altertümliche englische wendung? *simon*


    *simoff* Anscheinend nicht ;) *simon*

  • *sim-off*
    Ich hatte mich bei der Umsetzung der Webseite auch gewundert - fast hätte ich das im Banner anders geschrieben. :D


    Ich denke aber auch, dass das wohl Absicht ist. Vielleicht einfach ein Fehler der damals höchstwahrscheinlich lese- und schreibschwachen Sklaven, der sich "eingebürgert" hat.
    *sim-on*

  • *sich dekt*


    Das ist ja nur eines der vielen Denkmäler, die für die wahre Natur der imperialistischen Staaten in der Vergangenheit und auch heute sprechen...

  • [simoff]


    Ich merke gerade, dass die Seiten des Museums nicht mehr erreichbar sind - es wäre höchst bedauerlich, wenn sie jetzt in den ewigen Weiten des Internets verschollen wären... ;(


    [simon]

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